Gedanken zum Freitag 10

Ein Zeuge sein


Gott bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer Ihm, und desgleichen die Engel und die Wissenden. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Mächtigen Freund, dem Weisen.

"Ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt außer Gott, und Ich bezeuge, daß Muhammad Gottes Gesandter ist."

Für einen Muslim ist dies die selbstverständlichste Aussage. Wie oft sagen wir dies täglich - in jedem formalen Gebet, wenn wir erstaunliche oder beunruhigende Neuigkeiten hören, wenn wir eine Gefahr spüren, zur Vergewisserung, um die Fassung wiederzuerlangen? Und wir möchten sicher sein, daß dies unsere letzten Worte sind, bevor wir sterben. Aber wie oft denken wir eigentlich über die Bedeutung nach? Was bedeutet es, ein Zeuge zu sein?

Das arabische Wort shahida, Zeugnis ablegen, bedeutet wörtlich anwesend sein, erleben. Als Zeuge vor Gericht wird man gefragt, was man gesehen und erlebt hat, und dann zur weiteren Klärung einem Kreuzverhör unterzogen. Wenn wir hinsichtlich des Glaubenszeugnisses einem Kreuzverhör unterzogen würden, wie würde es uns ergehen? Worauf beruht unser Zeugnis? Für manchen Muslim wäre es angemessener zu sagen: "Ich bezeuge, daß meine Eltern oder Lehrer gesagt haben, es gibt keinen Gott außer Gott ..." Viele andere brauchen ein lebenslanges Suchen und Ringen, um allmählich Gottes Einheit und Gegenwart in der Schöpfung, in der Geschichte und in unserem eigenen Leben zu entdecken und zunehmend in der Lage zu sein, ihre Erfahrungen zu schildern, wie sie unterstützt, gerettet, geprüft und herausgefordert wurden. Wieder andere werden sich dieses einzigartigen Moments der Begegnung bewußt, die als "Urbund" zwischen dem Selbst und dem Schöpfer bezeichnet wird - als ferne Erinnerung aus der Zeit vor der Schöpfung, in stiller Meditation oder in einer plötzlichen Einsicht in das Wesen unseres Daseins.

Ein Zeuge zu sein ist eine der prophetischen Aufgaben. Auf der verbalen Ebene bedeutet dies, zu lehren, vor den schlechten Folgen schlechter Handlungen zu warnen, sowohl was Einzelne als auch was die Gesellschaft betrifft, und eine Botschaft des Trostes und der Hoffnung zu übermitteln für alle, die leiden, und für die sālihîn, die sich für Gerechtigkeit, Verständigung und Frieden einsetzen, und zwar über die Anerkennung und Wertschätzung hinaus, die sie zu Lebzeiten bekommen oder auch nicht. Auf der praktischen Ebene beinhaltet es, ein Leitbild abzugeben, indem das Handeln mit der eigenen Lehre übereinstimmt. Ich sage dies bewußt in der Gegenwartsform, denn die prophetischen Beispiele wurden uns überliefert, damit sie eine Quelle für unsere eigene Orientierung sein können, und weil die wissenden und gelehrten Männer und Frauen unserer eigenen Zeit Erben der Propheten sein sollen. Letztendlich sollen prophetische Personen auch am Tag des Gerichts als Zeugen auftreten - gegen diejenigen, die das, wofür sie standen, verzerrt haben, und für diejenigen, die ihre Ethik in ihr eigenes Leben übersetzt haben. Unser Zeugnis ist daher ein zweifaches: für Gottes Einheit und Einzigkeit, und für die prophetische Vision von einer Menschheit, die zusammen für eine ausgewogene und friedliche Welt arbeitet.

Da ich dies schreibe, während ich in Jerusalem sitze, bin ich mir schmerzhaft bewußt, wie das arabische Wort shahîd, Zeuge, heute oft in einem ziemlich engen Sinne als Fachausdruck benutzt wird, der fast ausschließlich fuer Männer und Frauen angewendet wird, die bei der Verteidigung ihrer Werte getötet wurden, und der sogar für höchst fragwürdige Zwecke mißbraucht wird. Selbstverständlich werden, wie in jeder anderen Religion, Märtyrer hoch angesehen dafür, daß sie Zeugen waren, selbst um den Preis ihres eigenen Lebens. Eingeschlossen sind, Aussagen des Propheten Muhammad zufolge, Menschen, die gestorben sind, während sie auf der Suche nach Wissen unterwegs waren, oder als sie versuchten, bei einer Katastrophe Hilfe zu leisten, oder im Kampf gegen eine gefährliche Krankheit.

Aber die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes ist viel weiter als dies. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Zeit und der Ort für uns, Zeugen zu sein, das Leben ist, das ganz gewöhnliche, normale Alltagsleben, in dem unsere Worte und Handlungen die Werte zum Ausdruck bringen, an die wir glauben. Deswegen sagte der Prophet beispielsweise: "Der ehrliche Kaufmann befindet sich am Tag des Gerichts in der Gesellschaft der Glaubenszeugen." Gott ist ar-Rahmān. Wenn wir an Gottes Barmherzigkeit glauben, laßt uns unseren Mitmenschen gegenüber und zu Tieren und Pflanzen barmherzig sein. Gott ist al-'Adl. Wenn wir an Gottes Gerechtigkeit glauben, laßt uns gerecht sein, selbst wenn ein gesundes Maß an Selbstkritik, das damit einhergeht, sich manchmal peinlich anfühlt. Gott ist al-Hakîm. Wenn wir an Gottes Weisheit glauben, laßt uns weise sein, indem wir aus unserer Vergangenheit lernen, den Herausforderungen der Gegenwart auf sinnvolle Weise begegnen, und eine ausgewogene, verantwortliche Zukunftsperspektive entwickeln. Gott ist al-Mu'min. Wenn wir an Gottes Treue glauben, laßt uns in den größeren und kleineren Dingen unseres alltäglichen Handelns treu und vertrauenswürding sein, indem unsere Handlungen mit unseren Worten übereinstimmen. Gott ist al-Ahad. Wenn wir an Gottes Einheit glauben, laßt uns jeder und jede an unserer vielfältigen Persönlichkeit arbeiten, um aufrichtig und authentisch zu werden, laßt uns gemeinsam daran arbeiten, die verschiedenen beruflichen, religiösen, ethnischen und kulturellen Gruppen in eine Gesellschaft zu integrieren, die die Bezeichnung menschlich wirklich verdient, und daran, die Einheit der Schöpfung zu bewahren, indem wir jede Art und ihr Existenzrecht respektieren und darauf verzichten, sie auszubeuten und zu zerstören.

Und bemüht euch für Seine Sache in wahrer Bemühung. Er hat euch erwählt und euch in der Religion kene Schwierigkeiten auferlegt, der Haltung eures Vaters Abraham. Er hat euch bereits zuvor "Gottergeben" genannt und auch in dieser (Offenbarung), daß der Gesandte Zeuge ist für euch und ihr Zeugen seid für die Menschen. Darum verwirklicht das Gebet, gebt die Armenabgabe und haltet fest an Gott. Er ist euer Beschützer. Was für ein guter Beschützer und Helfer ist Er!

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Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem König, dem Heiligen.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Mächtigen Freund, dem, Der die Dinge Einrenkt.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Freundlichen, dem Barmherzigen.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Vergebenden, dem Langmütigen.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Grossmütigen, dem Weisen.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Starken, dem Allumfassenden.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Feinen, dem Wahrnehmenden.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Unabhängigen, dem Angebeteten.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Vergebenden, dem Liebenden ....
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Lebendigen, dem Beständigen.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Schöpfer, dem Gestalter.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Hohen, dem Großen.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Einen, dem Einzigen.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Treuen, dem Beschützer.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Preis sei dem Abrechnenden, dem Zeugen ...
Es gibt keinen Gott außer Gott. Noah ist der von Gott Gerettete.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Abraham ist Gottes Freund ...
Es gibt keinen Gott außer Gott. Mose ist Gottes Gesprächspartner ...
Es gibt keinen Gott außer Gott. Jesus ist Geist von Gott.
Es gibt keinen Gott außer Gott. Muhammad ist Gottes Gesandter.

Die Anrufung ist ein Teil von Du'a Ganj al-'Arsh.

(c) Halima Krausen, 2006