Gedanken zum Freitag 12

In Erinnerung an den Propheten Muhammad


Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten, und Gott kennt alle Dinge wohl. Ihr, die ihr glaubt, gedenkt Gottes in häufigem Gedenken und verherrlicht Ihn früh und spät. Er ist es, der euch segnet, und Seine Engel beten um Segen für euch, daß Er euch aus den Finsternissen ins Licht führt, und Er ist barmherzig zu den Gläubigen. Ihr Gruß an dem Tag, an dem sie Ihm begegnen, ist: "Friede!", und Er hält für sie einen ehrenvollen Lohn bereit. Prophet, Wir haben dich als Zeugen gesandt, als einen Verheißungsbringer und als Warner, und als jemanden, der zu Gott einlädt mit Seiner Erlaubnis, und als eine leuchtende Sonne. Gib den Gläubigen die Verheißung, daß große Gunst von Gott zu ihnen kommt. (33:40-47)

In diesen Tagen erinnern sich Muslime in aller Welt an die Geburt des Propheten Muhammad. Drei verschiedene Daten werden in den Überlieferungen erwähnt, allerdings alle im Monat Rabi' al-Awwal. Viele nehmen diesen Monat daher zum Anlaß, sein Leben und Werk intensiv zu betrachten und zu studieren. Es gibt Geschichten für die Kinder und Gedichte, die vorgetragen werden, in denen seine Eltern beschrieben werden und seine Kindheit als Waise in Mekka, einem Ort der Pilgerfahrt und einem Handelszentrum an der Kreuzung der großen Karawanenstraßen, wo sein Onkel Abu Talib ihm zusammen mit seinen eigenen zahlreichen Kindern aufzog und zum Kaufmann ausbildete.

Abgesehen von seinem beruflichen Erfolg unterschied sich Muhammad von den meisten seiner Kollegen insofern, als er ehrlich war und ein feines Gespür für Gerechtigkeit hatte. Letzteres veranlaßte ihn, die religiösen und sozialen Mißstände in seiner Vaterstadt wahrzunehmen und sich mit gleichgesinnten jungen Männern zusammenzuschließen, die sich für die Rechte der Armen und Unterprivilegierten einsetzten. Ersteres, das ihm den Spitznamen Al-Amīn, der Vertrauenswürdige, einbrachte, hat höchstwahrscheinlich eine Rolle dabei gespielt, daß Khadija, eine außergewähnliche Frau, die nach dem Tod ihres Mannes ihr eigenes Geschäft weiterführte, ihn als ihren Vertreter anstellte. Von seinen Qualitäten beeindruckt und im Bewußtsein ihres gemeinsamen Engagements für soziale Gerechtigkeit heiratete sie ihn, obwohl sie beträchtlich älter war. Sie war auch die erste, die die Tragweite seiner ersten Offenbarungserfahrung erkannte, als er tief erschüttert von seinen Meditationen in der Wildnis nach Hause kam, und ihn in den folgenden Jahren der Verfolgung unterstützte. Ihnen schlossen sich Muhammads junger Vetter Ali an, sein Freund Abu Bakr, sein Freigelassener Zaid sowie eine zunehmende Anzahl von Männern und Frauen, denen die neue Offenbarung neue Hoffnung und geistige Nahrung gab, indem sie Gottes Einheit und die menschliche Verantwortung lehrte im Gegensatz zu der bedrückenden Vielzahl von Gottheiten und religiösen Autoritäten, an Gottes liebevolle Fürsorge erinnerte und den Segen, der mit ethischem Verhalten einhergeht, und vor den Folgen von Egoismus, Unrecht und Grausamkeit warnte. Die Botschaft war nicht völlig neu: sie war mit der Tradition von Abraham und Ismail verbunden und mit dem Andenken an frühere prophetische Lehrer, die sich gegen Götzendienst und Unterdrückung aussprachen und die Menschen dazu aufriefen, Gott allein zu dienen. Islâm, Gottergebenheit, sollte die Grundlage für Gerechtigkeit und Frieden sein.

Die Bewegung war dem Establishment ein Dorn im Auge und wurde als Gefahr für ihre Privilegien und Profite betrachtet. Als die Versuche fehlschlugen, den Propheten durch Bestechungen und Drohungen von seiner Aufgabe abzubringen, wurden Muslime angegriffen und manchmal getötet, bis sie sich nicht mehr sicher fühlen konnten. Einige wanderten nach Abessinien aus, um unter dem Schutz des christlichen Herrschers zu leben. Gegen diejenigen, die blieben, beschloß der Stadtrat einen Boykott, der mehrere Jahre dauerte, aber durch die Geduld der Muslime und den heimlichen Widerstand einiger junger Leute aus einflußreichen Familien nicht das angestrebte Ergebnis brachte. Khadija und Abu Talib erholten sich nicht mehr von den Entbehrungen.

Während Pläne diskutiert wurden, sich des Propheten zu entledigen, notfalls durch Mord, boten Vertreter von Yathrib, einer Oasenstadt nördlich von Mekka, ihm und seinen Anhängern Schutz an in der Hoffnung, daß er eine lange Fehde zwischen den örtliche Stämmen beenden könnte. Die Auswanderung wird als Anfangspunkt der unabhängigen muslimischen Gemeinschaft betrachtet. Ein Vertrag wurde zwischen den Sippen und Stämmen geschlossen, der Ortsansässige mit Einwanderern zu dem integrierte, was als Madinat an-Nabi, Stadtstaat des Propheten, bekannt wurde. Gemeinsame Beschlüsse wurden im Stadtrat getroffen, aber die Stammesgruppen behielten ihre kulturelle und, zumindest was die jüdischen Stämme betraf, ihre religiöse Identität. Muslime erzählen liebevoll die Geschichte von der ersten Moschee, die als ein Zentrum für Gottesdienst und Studium gebaut wurde, und von der Einführung des Gebetsrufs sowie der regelmäßigen Gemeinschaftsgebete und Freitagsgottesdienste. Offenbarungen, die in Medina kamen, bauten auf den vorhandenen Abschnitten zu grundlegenden spirituellen und ethischen Fragen auf und stellten eine Anzahl von rechtlichen und soziopolitischen Einzelheiten dar. Die Offenbarungstexte wurden in dem zusammengestellt, was wir jetzt als den Qur'an kennen, und vom Propheten in Worten und Handlungen weiter erläutert. Das sind die Quellen, in denen Muslime Orientierung suchen: in gottesdienstlichen Angelegenheiten, für ihr persönliches, familiäres und berufliches Leben, nach Präzedenzfällen in Rechtsfragen, nach Anleitung bei der Erziehung der Kinder und der eigenen Charakterbildung, und in Fragen von Krieg und Frieden - denn unglücklicherweise mußte man auch mit einer Anzahl von inneren und äußerem Konflikten umgehen.

Muslime bringen ihre Liebe und ihren Respekt gegenüber dem Propheten Muhammad auf verschiedene Weise zum Ausdruck, besonders in diesen Tagen, wenn wir uns an seine Geburt erinnern. Gebete um Segen für ihn und seine Angehörigen und Gefährten sind ein regelmäßiger Bestandteil der rituellen Gebete. Bei aller Liebe, die Muslime fühlen, ist es allerdings wichtig, daran zu denken, daß Muhammad ein Mensch ist. Wie der Qur'an betont, soll er nicht eine Vaterfigur sein, zu der wir eine Beziehung haben könnten wie Kinder ohne eigene Verantwortung, sondern ein "Zeuge, Verheißungsbringer und Warner, jemand, der zu Gott einlädt mit Seiner Erlaubnis, und eine leuchtende Sonne" die uns bei unserer Orientierung helfen kann, wenn wir selbst die Augen öffnen. Sowohl von seiner Lehre als auch von seinem Beispiel sollen wir bedachtsam und überlegt lernen. Er ist das Siegel der Propheten sowohl in dem Sinne, daß er das vervollständigt hat, was wir brauchen, um unseren Geist auf das Leben in unserer komplexen Welt vorzubereiten, als auch in dem Sinne, daß er ein "Beglaubigungssiegel" ist, das frühere Gesandte als wahre prophetische Lehrer bestätigt. Den Propheten über ein vernünftiges Maß an Zuneigung und Respekt hinaus zu idealisieren kann uns den Zugang zu dem menschlichen Beispiel und der Unterstützung versperren, die wir brauchen. Der Gedanke daran, daß er als "Barmherzigkeit für die Welten" geschickt wurde, sollte uns eine Perspektive dafür geben, das, was wir gelernt haben, auf sinnvolle Weise umzusetzen, um Damit Barmherzigkeit und Frieden in unserer Gesellschaft zu fördern.

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Gott, segne unseren Meister Muhammad und diejenigen, die unserem Meister Muhammad nahestehen, mit einem Segen, mit dem Du uns von aller Angst und Not befreit und durch den Du uns alles austeilst, was wir brauchen, und durch den Du uns von allem Übel läuterst, und durch den Du uns zu einem höchsten Rang erhebst und durch den Du uns das fernste Ziel alles Guten erreichen läßt, sowohl im Leben als auch nach dem Tod.

Friede und Segen sei mit allen Propheten und Gesandten, allen denen, die mit ihrem Leben und Sterben Zeugnis für Gott ablegen, allen wahrhaftigen Männern und Frauen, die Gott nahestehen, und allen Gottesdienern, die unablässig auf Frieden hinwirken.

(c) Halima Krausen, 2006