Gedanken zum Freitag 19

Die Himmelsreise


Verherrlicht sei Er, der Seinen Diener bei Nacht reisen ließ, von der Heiligen Gebetsstätte zur Fernsten Gebetsstätte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, daß Wir ihm einige Unserer Zeichen zeigen. Und Er ist der Hörende, der Sehende. (Surah 17:1)

Vor ein paar Tagen gedachten Muslime überall in der Welt der Himmelsreise des Propheten Muhammad. Viele verbrachten die Nacht in Gebet und Meditation, und es war ein Anlaß, den Kindern die Geschichte zu erzählen, wie sie aus der Lebensbeschreibung des Propheten und seinem eigenen Bericht hervorgeht.

Es geschah zur Zeit der schlimmsten Verfolgung in Mekka. Menschen wurden gefoltert und getötet, weil sie den Götzen den Rücken gekehrt und sich dem Einen Gott und ihrer ethischen Verantwortung zugewandt hatten. Besonders Sklaven und Arme hatten am meisten zu leiden. Es hatte einen Boykott gegeben, der die Entschlossenheit der Muslime schächen sollte. Zwei der stärksten Stützen des Propheten waren gerade gestorben, seine liebe Frau Khadija und sein treuer Onkel Abu Talib, und es gab Feinde, die daran dachten, ihn zu töten. Es war eine furchtbare Zeit.

In einer dieser Nächte hatte der Prophet eine wunderbare Erfahrung. Er wurde von Mekka nach Jerusalem gebracht, in die Heimat der Mehrzahl aller bekannten prophetischen Persönlichkeiten. In diesem Stadium der Reise begegnete er allen früheren Propheten und Gesandten an der Stelle, an der das alte Heiligtum gestanden hatte, und sie beteten dort zusammen. Danach wurde Muhammad durch verschiedene Spären des Himmels geführt und durfte die Wunder der spirituellen Welt sehen. Wiederum traf er die wichtigsten prophetischen Lehrer wie Noah, Abraham, Mose and Jesus, jeden in seiner "Heimatsphäre". Jenseits alles dessen gab es die unbeschreibliche Begegnung mit dem Schöpfer der Welten.

Muslims genießen normalerweise eine bestimmte Geschichte von dem, was auf dem Rückweg geschah. Zu den Dingen, die dem Propheten aufgetragen worden waren, gehörte auch dies, daß er seiner Gemeinschaft fünfzig tägliche Gebete zur Pflicht machen sollte. Als er davon hörte, sagte Mose zu ihm: "Das werden sie nicht tun. Gehe zurück und bitte darum, daß die Anzahl verringert wird." Muhammad folgte seinem Rat und kam mit vierzig zurück, aber Mose wiederholte, was er zuvor gesagt hatte. Es folgt ein humorvoller Bericht davon, wie Muhammad zwischen der Sphäte von Mose und dem Höchsten Thron hin- und herging, bis die Anzahl auf fünf reduziert war. Als Mose dann wiederum sagte: "Das werden sie nicht tun. Gehe zurück und bitte darum, daß die Anzahl verringert wird," entgegnete Muhammad: "Jetzt schäme ich mich zu sehr." So kam es, daß wir schließlich fünf tägliche Gebete haben.

Ich möchte nicht in Einzelheiten der langen traditionellen Diskussion darüber gehen, ob die Himmelsreise eine physische oder eine spirituelle Erfahrung war, oder ob es sich bei der Fernsten Gebetsstätte, al-masjid al-aqsa, von der in dem Qur'anvers die Rede ist, um die al-Aqsa-Moschee handelt, die der Prophet in seinem Bericht erwähnt oder, wie einige Gelehrte angenommen haben, um das Urheiligtum im Himmel, das sich in allen irdischen Gebetsstätten wiederspiegelt. Ich möchte das Hauptaugenmerk vielmehr auf eine Bemerkung legen, die der Prophet in diesem Zusammenhang gemacht hat:

"Das Gebet ist die Himmelsreise des gläubigen Menschen."

Das Wort salah für das formale Gebet bedeutet wörtlich "Verbindung", das heißt, zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen, ähnlich wie in dem lateinischen Wort religio. Wenn es für die menschliche Seite davon benutzt wird, wird es gewöhnlich mit "rituelles Gebet" übersetzt, und wenn es für Gott benutzt wird, wird es oft mit "Segen" übersetzt. Tatsächlich ist es nicht einfach nur eine Verbindung zwischen dem Individuum und Gott, sondern hat auch eine wichtige Dimension von Gemeinschaft und sogar Menschheit. Dies kommt dadurch zum Ausdruck, daß wir uns der Qiblah zuwenden, der Gebetsrichtung: wir bauen eine Verbindung mit dem "Mittelpunkt" oder "Ursprung" auf, aber auch mit unseren Mitmenschen, indem wir sozusagen einen Kreis um die Welt machen, von dem jeder ein Teil ist, auch wenn er oder sie allein für sich betet. Im gemeinschaftlichen Gebet wird natürlich der Gemeinschaftsaspekt noch mehr hervorgehoben, nämlich dadurch, daß wir in geraden Reihen dicht nebeneinander stehen und alles gleichzeitig ausführen.

Das Gebet wird eingeleitet, indem man sagt: "Allâhu akbar" (Gott ist größer), das sogenannte takbîr al-ihrâm, eine zeitweilige Absage an alles das, was nicht zum Gebet dazugehört. Damit nehmen wir eine Art Ihrâm an, einen Weihezustand wie den, den wir für die Pilgerfahrt nach Mekka annehmen. Das ist der Anfang einer Reise. Denn die Elemente des Gebets, Stehen, Beugen und Niederwerfungen, führen uns durch verschiedene Stadien der Pilgerfahrt des Lebens. Während wir stehen, erkennen wir, daß wir in Gottes Gegenwart stehen, wo auch immer wir sein mögen. Wir hören auf Seine Worte, während wir sie aus dem Qur'an rezitieren, und werden uns bewußt, daß wir vor Seinem Richterstuhl stehen. Wenn wir uns beugen, wird uns die Verantwortung deutlich, die uns als Menschen anvertraut wurde. Wenn wir uns wieder aufrichten und Lobpreisungen sprechen, denken wir daran, daß es die Verherrlichung Gottes ist, die uns im Leben aufrichtet und aufrecht erhält. Die Niederwerfung gibt uns einen Geschmack davon, wie abhängig und geborgen wir in Gottes Hand sind, von der Zeit, bevor wir geboren wurden, bis wir letztendlich wieder zu Ihm zurückkehren. Schließlich sitzen wir zusammen mit anderen, die auf dieser Pilgerfahrt Gottes Gäste sind. Darum tauschen wir Grüße aus mit den wahrhaftigen und aufrichtigen Dienern Gottes sowie den Propheten einschließlich Muhammad. Jetzt ist auch die Zeit, um den Segen zu bitten, der Zeit und Raum umspannt. Wenn wir dann nach dieser Begegnung "auf die Erde zurückkommen", grüßen wir die Wesen um uns herum mit dem Friedensgruß, die Engel, die Menschen, die Tiere und die Pflanzen, und teilen mit ihnen den Frieden, den wir durch das Gebet erfahren haben und für den wir bereit sind, uns im Leben einzusetzen.

Die Himmelsreise des Propheten gab ihm die Kraft und Zuversicht, geduldig und ausdauernd zu sein, sowohl in jenen dunklen Tagen der Verfolgung als auch in der Zeit der Auswanderung und während der schwierigen Aufgabe, die Gemeinschaft Medinah aufzubauen. Durch das Gebet ist jedem von uns eine Möglichkeit gegeben, jeden Tag aus dieser Quelle der Kraft und Zuversicht zu trinken, bevor wir uns

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Lob sei Dir, Gott. Du bist der Erhalter der Himmel und der Erde und derer, die darinnen sind.
Lob sei Dir. Du bist ddas Licht der Himmel und der Erde und derer, die darinnen sind.
Lob sei Dir. Du bist der König der Himmel und der Erde und derer, die darinnen sind.
Lob sei Dir. Du bist wahr. Deine Verheißung ist wahr. Die Begegnung mit Dir ist wahr. Deine Worte sind wahr. Der Garten ist wahr. Das Feuer ist wahr. Die Propheten sind wahr. Muhammad ist wahr. Die Stunde des Gerichts ist wahr.
Gott, Dir gebe ich mich hin und an Dich glaube ich und auf Dich verlasse ich mich und zu Dir kehre ich um und mit Dir überwinde ich und an Dich wende ich mich um Entscheidung. Darum vergib mir das, was ich voreilig tue und was in hinausschiebe und was ich heimlich tue und was ich öffentlich tue und was Du besser kennst als ich. Du bist der, der vorantreibt und hinauszögert. Es gibt keinen Gott als Dich, und es gibt keinen Gott neben Dir.

Die Anrufung wurde vom Propheten Muhammad überliefert.

(c) Halima Krausen, 2006